Im letzten Teil unseres Gespräches mit Ela geht es um Arbeit: Nach der Saisonarbeit im Eissalon lernte sie in der Hotellerie das „kellnerieren“ und arbeitete zum Schluss in traditionellen Wiener Kaffeehäusern.
Nach elf Jahren der anstrengenden physischen Arbeit machte ihr Körper jedoch nicht mehr mit und Ela musste sich beruflich umorientieren. Daher beschloss sie ihren ursprünglichen Beruf als ausgebildete Bautechnikerin wieder aufzunehmen. Um diesen aber in Österreich ausüben zu können, brauchte sie Deutschkenntnisse und einen Platz, wo sie ihre Abschlüsse noch einmal nachholen musste. Was zunächst simpel klang, wurde zum Beginn einer turbulenten Reise durch den Bürokratiedschungel des AMS. Am Ende konnte sie nicht wieder als Bautechnikerin arbeiten, sondern schaffte es, sich mit fast 50 eine neue Karriere aufzubauen.
Wenn man heutzutage eine Wohnung mietet, so muss der Vertrag laut Gesetz mindestens drei Jahre lang gelten – eine Regelung, die es nicht immer gab. Als Ela in den 90ern auf der Suche nach einer Wohnung war, bekam sie wie viele andere zu Beginn nur befristete Verträge für drei Monate. Dieser Umstand traf vor allem Ausländer:innen, die ohne Mittel keine andere Wahl hatten, als die befristeten Wohnungen zu nehmen.
Genauso wie diese Praxis ist auch die Regelung, dass nur Personen mit österreichischer Staatsbürgerschaft eine Gemeindewohnung erhalten, abgeschafft. Ela ist in den ersten Jahren insgesamt 13 Mal umgezogen, bevor sie es schaffte eine eigene Hauptmiete zu bekommen.
Was für einen Nachhall dieser Zustand bei ihr hatte, erzählt sie uns in dieser Episode. Das stetige Umziehen war anstrengend und teuer, aber es zeigte ihr auch, wie viele Personen hilfsbereit waren und halfen.
„Wohnung ist die Basis“ sagt Ela – das hat sich nie geändert.
In drei Teilen erzählt uns Ela von ihrem Weg aus Polen nach Österreich.
Dabei streift sie Themen wie Arbeits- und Wohnungssuche und den Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund in den 1990ern. Elas Perspektive ist stark davon geprägt, dass sie als alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern nach Österreich emigrierte.
In der ersten Episode erzählt sie uns wie sie über eine Heirat mit einem Österreicher aus Warschau zunächst ins Burgenland und dann nach Wien gekommen ist. Und wie sie ihren ersten Job im Eissalon trotz fehlender Deutschkenntnisse hervorragend meisterte.
Im zweiten Teil unseres Gesprächs mit Snežena und Nino geht es um die Perspektive von Eltern mit Migrationshintergrund.
Um ihren Kindern eine angemessene Bildung ermöglichen zu können, müssen bürokratische Hürden und Sprachbarrieren überwunden werden. Woran dies manchmal scheitert und wieso viele Kinder mit Migrationshintergrund fälschlicherweise auf Sonderschulen landen, erfährt ihr in dieser Folge.
Ein beginnender Krieg bedeutet immer auch: Menschen, deren bisheriges Leben abrupt abbricht und die neu beginnen müssen.
In dieser Episode erzählen uns Snežana und Nino von ihrer Flucht nach Österreich, als in ihrer Heimat Bosnien und Herzegowina 1992 Krieg ausgebrochen ist. Der erzwungene Neustart brachte nicht nur die lange und mühsame Suche nach einer geeigneten Wohnung für die beiden und ihre zwei Kinder, sondern auch den Verlust ihrer bisherigen Berufsausübungen. Vom Maschinenbauingenieur und Personalleiterin zum Hausmeister und Putzkraft.
„Wir waren blauäugig, wir dachten: Es kann überall passieren, aber in Bosnien passiert es nicht.“
Die Folge ist den Menschen der Ukraine gewidmet sowie allen anderen unabhängig von ihrer Herkunft, die sich auf der Flucht befinden und ihr Zuhause verloren haben.
#niewiederkrieg #solidaritywithukraine
Krystyna ist 1990 unter dem Motto „Liebe kennt keine Grenzen“ aus Polen nach Österreich gekommen. Auswandern wollte sie eigentlich nie.
Was zunächst wie eine romantische Liebesgeschichte klang, entwickelte sich im Laufe unseres Interviews zu einem Gespräch über Zielstrebigkeit und den Kampf gegen Stereotype.
Oft wird man aufgrund seiner Herkunft in Schubladen gesteckt. Um da wieder herauszukommen braucht man laut Krystyna: Kräftige Worte, Hartnäckigkeit und Selbstvertrauen.
„Man muss zu sich selbst stehen. Wenn ich weiß, was ich kann, dann kommt nicht in Frage, dass mir jemand sagt: ‚Du kannst das nicht, du bist Ausländer‘ – Was hat das damit zu tun?“ – Krystyna